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Die Geschichte der deutschen Handschrift: Kurrent, Sütterlin und Fraktur

Die Geschichte der deutschen Handschrift reicht über viele Jahrhunderte. Wer heute Omas Briefe oder alte Urkunden in die Hand nimmt, trifft auf Schriften, die uns fremd erscheinen: Kurrentschrift, Sütterlin, manchmal Fraktur. Woher kommen diese Schriften, und wann wurden sie verwendet? Dieser Artikel gibt einen Überblick – für alle, die mehr über die Hintergründe wissen möchten oder Familienunterlagen einordnen wollen.

Kurrentschrift: Schreibschrift über Jahrhunderte

Die Kurrentschrift (von lateinisch „currere“ = laufen) entwickelte sich aus älteren Schreibformen und wurde vom 16. bis ins 20. Jahrhundert in weiten Teilen des deutschsprachigen Raums als Alltagsschreibschrift genutzt. Charakteristisch sind die spitzen, gebrochen wirkenden Buchstaben und die starken Ober- und Unterlängen. Jede Epoche und jede Region brachte leichte Abweichungen hervor – „Kurrent“ ist daher ein Oberbegriff für eine Familie von Schreibschriften. Dokumente aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert sind sehr oft in Kurrent geschrieben; wer alte deutsche Schrift entziffern möchte, kommt an ihr nicht vorbei.

Sütterlin: Die Schulschrift ab 1915

Die Sütterlin-Geschichte beginnt 1911: Ludwig Sütterlin entwickelte im Auftrag Preußens eine vereinfachte Schreibschrift für die Schule. Sie sollte lesbarer und leichter zu schreiben sein als die bisherige Kurrent. Ab 1915 wurde Sütterlin in vielen deutschen Schulen eingeführt und prägte die Handschrift einer ganzen Generation. Noch heute begegnen uns in Nachlässen vor allem Briefe und Tagebücher in Sütterlin – oft von Menschen, die zwischen etwa 1900 und 1930 geboren wurden. 1941 wurde die „deutsche Schrift“ in den Schulen zugunsten der lateinischen Schreibschrift abgeschafft; geschrieben wurde Sütterlin danach aber noch jahrzehntelang.

Fraktur: Die Druckschrift

Fraktur ist keine Handschrift, sondern eine Druckschrift. Sie wurde für Bücher, Zeitungen und amtliche Drucke verwendet und wirkt durch ihre „gebrochenen“ Linien und die typischen Doppel-s und Ligaturen sehr charakteristisch. Im Alltag begegnen Sie ihr vor allem in gedruckten Texten; handschriftliche Dokumente sind dagegen in Kurrent oder Sütterlin verfasst. Wer die deutsche Handschrift Geschichte versteht, kann Dokumente besser datieren und einordnen – etwa: „Dieser Brief ist in Sütterlin, also wahrscheinlich zwischen 1920 und 1950 geschrieben.“

Was Sie heute damit anfangen können

Alte Schriften zu kennen, hilft beim Entziffern und beim Bewahren von Familiengeschichte. Wenn Sie selbst Sütterlin oder Kurrent lesen möchten, finden Sie in unserem Blog eine Anleitung zum Sütterlin lesen lernen. Wenn Sie lieber Unterstützung nutzen möchten: Mit OmasTagebuch können Sie Fotos oder Scans Ihrer Dokumente hochladen und erhalten eine Transkription in lesbarer Schrift – schnell, sicher und ohne Vorkenntnisse.

Haben Sie Briefe oder Tagebücher in Sütterlin oder alter Schrift? Probieren Sie die Transkription kostenlos aus.